[GESAMT] ist der Titel der Einzelausstellung von Jan-Hendrik Pelz und zugleich der Titel einer neuen Werkserie, die auf Grundlage der Sammlung [gesamtkunstwerk] entstanden ist.
Ausgangspunkt sind Reproduktionen von Werken aus dem Sammlungsbestand, die Pelz zerschneidet, neu kombiniert und zu Collagen verdichtet. Diese dienen als Vorlagen für großformatige Ölmalereien. Spuren der Eingriffe – Risse, Versätze und Überlagerungen – bleiben im Bild sichtbar.
Die Arbeiten knüpfen an die Geschichte der Appropriation und an Verfahren der Fragmentierung an, die die Kunst des 20. Jahrhunderts nachhaltig geprägt haben. Zerstörung erscheint dabei jedoch nicht als Endpunkt, sondern als Voraussetzung für einen neuen Bildaufbau. Die Bilder werden zerlegt, um neu zusammengesetzt zu werden. Anders als viele künstlerische Arbeiten, die sich auf einen allgemeinen Bildvorrat beziehen, operiert die Serie mit einer konkreten Sammlung. Einzelne Motive bleiben als Zitate erkennbar, lösen sich jedoch aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen und treten in neue Beziehungen. Autorschaft wird dabei weder aufgehoben noch festgeschrieben, sondern über die Bildfläche hinweg neu verteilt. Die Titel der Arbeiten nennen die beteiligten Künstler und fungieren weniger als Zuschreibung denn als Index der Beziehungen, aus denen die jeweiligen Kompositionen hervorgehen.
Der Ausstellungstitel [GESAMT] bezeichnet dabei weder Vollständigkeit noch geschlossene Einheit. Er verweist auf einen Zustand des Zusammenfügens – auf ein Ganzes, das erst durch Fragmente, unterschiedliche künstlerische Positionen und überlagerte Geschichten entsteht.
Die Sammlung bildet dafür nicht nur das Material, sondern zugleich den Gegenstand der Arbeit: nicht als etwas Dargestelltes, sondern als etwas, das fortwährend neu organisiert wird. Das Gesamtkunstwerk erscheint hier nicht als utopisches Ideal einer Einheit, sondern als offener Prozess, in dem Zusammenhalt gerade aus Differenz hervorgeht.
